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Männerpolitik
Lehrerinnen beeinflussen den
Schulerfolg von Jungen nicht negativ
Leseleistung von Jungen und Mädchen leidet sogar bei
männlichen Lehrern
05.03.2010
(red/idw) "Die Frauen
sind schuld" - so lautet eine gängige These, die das vergleichsweise
schlechte Abschneiden von Jungen in der Schule erklären soll: Durch den hohen
Frauenanteil im Lehrerberuf fehle es nämlich den Jungen für ihren schulischen
Erfolg an männlichen Vorbildern, eine Ansicht, die auch
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder vertritt. WZB(Wissenschaftszentrum
Berlin für Sozialforschung)-Forscher Marcel Helbig hat mit Andreas Landmann und
Martin Neugebauer von der Universität Mannheim überprüft, ob die vermeintliche
Feminisierung der Schule negative Folgen für den Bildungsweg von Jungen hat. In
zwei in Kürze erscheinenden Studien belegen die Wissenschaftler, dass das nicht
der Fall ist.
Mädchen haben in der Schule
die Nase vorn. Das ist so offensichtlich, dass inzwischen die Rede von einer
"Krise der Jungen" ist. In fast allen Mitgliedstaaten der EU und der
OECD beginnen beispielsweise mehr junge Frauen als junge Männer ein
Hochschulstudium, weil Mädchen in der Schule erfolgreicher sind. Und auch
hierzulande sind Mädchen das starke Geschlecht im Schulsystem. 2007 machten zum
Beispiel 29,4 Prozent aller Mädchen Abitur an allgemeinbildenden Schulen, bei den
Jungen war es nur 20,6 Prozent. Die Politik ist inzwischen alarmiert von der
Krise der Jungen, und so heißt es im Koalitionsvertrag, es solle eine
"eigenständige Jungen- und Männerpolitik" entwickelt werden.
Tatsächlich scheint auf den
ersten Blick ein Zusammenhang zwischen dem Anteil weiblicher Lehrkräfte und dem
unterschiedlichen Bildungserfolg von Jungen und Mädchen zu bestehen. So ist
sowohl im Bundesländer- Vergleich als auch im Vergleich der OECD-Staaten das
gleiche Phänomen zu beobachten: Je mehr Frauen in einem (Bundes-)Land
unterrichten, desto erfolgreicher sind Schülerinnen im Vergleich zu Schülern.
Helbig stellte mit Landmann und Neugebauer nun jedoch unter anderem fest, dass
weder Mädchen noch Jungen bei ihren Kompetenzen oder Noten von einem Lehrer des
jeweils gleichen Geschlechts entscheidend profitieren. Die Leseleistung von
Jungen und Mädchen leidet sogar, wenn sie vier Jahre lang von einem Mann in
Deutsch unterrichtet wurden.
Zwar wurde in den Studien
die Bedeutung des Geschlechts der Lehrkräfte für das kognitive Lernen und die
Notenvergabe beleuchtet, während psychologische Dimensionen - etwa für das
Rollenverhalten der Jungen - nicht einbezogen wurden. Dennoch wird klar, dass
ein pauschaler Ruf nach mehr Männern im Lehrerberuf unbeabsichtigte Folgen
haben kann - die Mädchen wie Jungen in ihrer Kompetenz-Entwicklung sogar
schaden können. Es zeigt sich aber auch: Die Konzentration auf die vermeintlich
negativen Auswirkungen von weiblichen Lehrkräften für die Bildungschancen von
Jungen könnte den Blick auf die eigentliche Botschaft verstellen - dass nämlich
Mädchen heute ihre schulischen Potenziale durch mehr - nicht nur formelle -
Gleichberechtigung besser entfalten können.
Weitere Informationen unter
www.wzb.eu.
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